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GA vom 28.11.2017

TRINATIONALE ZUSAMMENKUNFT

Die Chance auf besondere Begegnungen ergriffen.

AUSTAUSCH
Sarah Ostendörp aus Rhauderfehn nahm an Jugendtreff mit drei Nationen in Westsibirien teil.

Die deutschen, russischen und polnischen jungen Leute entdeckten Unterschiede und Ähnlichkeiten. Dieses Erlebnis, sagt die Fehntjerin, war etwas ganz Besonderes.

VON MARION JANßEN

RHAUDERFEHN - Es war ihr erster Flug - aber der hatte es gleich in sich: 4400 Kilometer brachte Sarah Ostendörp zwischen sich und ihr Zuhause in Rhauderfehn. Die 18-Jährige nahm am trinationalen Treffen des Arbeitskreis Schule (AKSR) teil, und das fand in einem Camp in Tjumen / Westsibirien statt. Zwei Wochen lang stand für die Jugendlichen aus Deutschland, Polen und dem Gastgeberland Russland die Begegnung der Kulturen im Mittelpunkt.

„Klar war ich auch vorher schon mal auf Reisen“, sagt die junge Frau, die derzeit eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin macht: „Aber nach Russland reisen - das ist etwas, das macht man sonst nicht mal einfach so.“ Ganz kurzentschlossen habe sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Ontje deshalb das Angebot des AKSR angenommen.

Diese Entscheidung war die richtige: „Ich habe so viel erlebt, das war wirklich etwas Besonderes.“ Schon der Flug begeisterte die jungen Leute - davon zeugen zahlreiche Bilder auf dem Handy der 18-Jährigen. „Von Hannover aus - wo die polnischen Jugendlichen zu uns gestoßen sind - sind wir nach Moskau geflogen. Und von dort aus weiter nach Tjumen.“ Das liegt in Westsibirien. Im Feriencamp dort warteten die russischen Teilnehmer. „Das Camp heißt, Energetic - Respekt für die Kinder“, erzählt Sarah Ostendörp, die ihren Tee jetzt aus einer Tasse mit diesem Schriftzug in kyrillischen Buchstaben trinkt.

Sarah war die älteste Teilnehmerin der Begegnung, der jüngste war elf: „Aber trotz des Unterschieds haben sich alle gut verstanden. Wir haben oft zusammengesessen. Das war sehr cool.“ Eine Hürde war dabei die Sprachbarriere, aber: „Ein russischer Junge sprach gut Englisch, er hat dann für die russischen Kinder übersetzt und ich für die deutschen. Das hat ganz gut geklappt.“

Viele Ausflüge standen auf dem Programm: ins Mammutmuseum, auf eine Ölbohrstation, in ein Museumsdorf und eine Mathe- und Physikschule...., aber: „Am besten fand ich die Zeit im Camp. Da konnte man viel mehr von den anderen mitbekommen, von deren Lebensweise und der anderen Kultur.“ Dabei entdeckten die Jugendlichen Ähnlichkeiten - etwa den Spaß an Spielen wie Skip-Bo und Uno - aber auch viele Unterschiede: „Die russischen Kinder sind viel offener, neugieriger. Sie sind gleich auf uns zugestürmt, haben Fragen gestellt. Die deutschen Kinder sind schüchterner“, hat Sarah bemerkt. Gewöhnungsbedürftig seien die fünf Mahlzeiten am Tag gewesen, wobei schon am Morgen manchmal Suppe auf den Tisch kam. Ständiger Begleiter der jungen Leute aus allen drei Ländern: das Handy. „Wir haben uns darauf Musik vorgespielt und festgestellt, dass wir zwar ein paar Lieder alle kannten. Aber der überwiegende Teil war schon sehr unterschiedlich.“ Die Läden hatten „gefühlt immer auf“, und: „Man bekommt in Russland für das gleiche Geld viel mehr.“

Für Sarah steht fest: „Wer die Chance hat, so eine Reise zu machen, sollte sie in jedem Fall nutzen. Ich habe viel Erfahrung da mit rausgenommen - etwa, dass man jeden so nehmen sollte, wie er ist. Und es haben sich Vorurteile abgebaut, die manche voneinander hatten.“ Es seien Kontakte entstanden, die nach der Reise nicht einfach endeten: „Ich schreibe mir noch mit einigen der Teilnehmer auf Instagram.“ Zurück in Deutschland sei sie oft gefragt worden, wie Russland sei. „Ich erzähle dann, dass wir ja nur einen ganz kleinen Teil gesehen haben, aber der war gut.“ Schon vorher, sagt die 18-Jährige, habe sie den Wunsch gehabt, einmal viel zu reisen, die Welt zu sehen: „Die Russland-Erfahrung hat mich darin noch bestärkt.“

"Energetic - Respekt für die Kinder" steht in kyrillischer Schrift auf der Tasse. Sarah Ostendörp hat sie aus dem Camp in Westsibirien mitgebracht.

Sarahs Bruder Ontje war ebenfalls mit in Russland - hier bei einer Unternehmensbesichtigung.

Eindrucksvoll: eine orthodoxe Kirche in Tjumen.

Interessante Einblicke erwarteten die Jugendlichen auf einer Ölbohrstation.

Blick aus dem Flieger auf russische Landschaften.